Friday, 1 October 2010

Rolle und Status der Frau in der japanischen Arbeitswelt

Der folgende Eintrag ist eine Proseminararbeit, die ich für mein zweites Semester im Sommer 2006 im Fach Japanologie geschrieben habe. Ich habe damals eine 1- dafür bekommen - und ich schreibe das nicht, weil ich angeben will oder weil mich das Minus hinter der 1 ankotzt; es soll nur eine Art "Qualitätssicherung" sein. (Wobei ich mittlerweile auch den Kopf über die ein oder andere Stelle schüttle - was habe ich da zum Teil für einen Unsinn geschrieben XD ?)

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1. Einführung

In Japan gibt es zwei Redensarten, die die Rolle der Frau definieren. Die eine lautet 'Gute Ehefrau, weise Mutter', die andere lautet 'Der Mann geht zur Arbeit, die Frau bleibt zu Hause'. Beide beschreiben die vorherrschende Meinung der Männer, dass die Frauen vor allem für den Haushalt und für die Kindererziehung zuständig sind - wobei oftmals sogar die eigene Mutter und Schwiegermutter dieser Meinung sind. Diese beiden Redensarten implizieren auch den Status einer japanischen Frau: Eine verheiratete Frau mit Kindern ist gesellschaftlich anerkannt - ungeachtet ihrer schulischen bzw. akademischen Bildung und ihrer Position in der Arbeitswelt. Doch spätestens seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs änderte sich - und ändert sich selbstverständlich auch heute noch - die Rolle und der Status der Frau. Seit der Besatzungszeit durch die Siegermacht USA (1945-1952) dringen immer mehr Frauen in die von Männern dominierte japanische Arbeitswelt und fordern dementsprechend auch gleiche Chancen auf einen Arbeitsplatz wie Männer.
Das Thema der vorliegenden Seminararbeit ist die Rolle und der Status der Frau in der japanischen Arbeitswelt. Hierzu wird ein Vergleich zwischen Ende der 1940er und den 1950er Jahren und der Gegenwart gezogen. Haben sich der Status und die Rolle der Frau in dieser Zeitspanne wesentlich verändert oder nicht? Und wenn ja, was hat sich daran geändert?
Um dies zu untersuchen, werden zunächst die rechtlichen Grundlagen dargestellt, auf denen die Gleichstellung der Frau bei der Arbeit basiert. Danach wird die Arbeitssituation der Frauen in den Nachkriegsjahren und 50er Jahren geschildert, woraufhin dann die heutige Situation gezeigt wird.
Es wird noch darauf hingewiesen, dass das Thema dieser Seminararbeit zwar vorwiegend die Rolle der Frau in der Arbeitswelt ist, aber dass auch immer wieder Bezug genommen werden muss auf die Rolle der Frau im Haushalt. Dies liegt daran, weil Arbeitsplatz und Haushalt für die Frauen in Japan weitaus enger miteinander verknüpft sind als für die Männer.

2. Rechtliche Grundlagen

2.1 Die japanische Verfassung

In der japanischen Verfassung sind mehrere Artikel vorhanden, die die grundsätzliche Gleichheit zwischen Mann und Frau - zumindest faktisch - sicherstellen:
- Artikel 14: §1 Verbot der Diskriminierung auf Grund von Rasse, Glaube, Geschlecht, sozialem Status und Familienherkunft.
- Artikel 24: §1 Heirat soll nur durch beiderseitige Zustimmung beider Geschlechter gestützt sein und soll durch beiderseitige Zusammenarbeit mit den gleichen Rechten von Ehemann und Ehefrau als Grundlage aufrecht erhalten werden. §2 Was die Wahl des Ehepartners, Besitzrechte, Erbschaft, Wahl des Wohnortes, Scheidung und andere Angelegenheiten im Zusammenhang mit Heirat und Familie betrifft, sollen Gesetze vom Standpunkt der individuellen Würde und der wesentlichen Gleichheit der Geschlechter erlassen werden.
- Artikel 26: §1 Das gesamte Volk soll das Recht haben, gleiche Bildung zu erhalten, entsprechend der jeweiligen Fähigkeit. §2 Das gesamte Volk soll verpflichtet werden, Jungen und Mädchen unter seinem Schutz eine ordentliche Bildung zukommen zu lassen, wie vom Gesetz vorgesehen ist.
- Artikel 27: §1 Das gesamte Volk soll das Recht und die Verpflichtung haben, zu arbeiten. §2 Standards für Löhne, Arbeitsstunden, Erholung und andere Arbeitsbedingungen sollen vom Gesetz festgelegt werden.
Nicht vergessen werden darf das Wahlrecht für Frauen, das 1945 eingeführt wurde. Hiermit wurde zum ersten Mal in der Geschichte Japans die Gleichheit zwischen den Geschlechtern gesetzlich festgelegt. Vor der Besatzung der Amerikaner galt lange, dass die Frau eine Art männlichen Vormund haben musste: Als Tochter den Vater, als Ehefrau den Ehemann und gegebenenfalls als Witwe den ältesten Sohn.

2.2 Spezielle Gesetze

Es soll noch etwas zum Thema Bildungsgleichheit nach Artikel 26 der japanischen Verfassung gesagt werden: Im Jahr 1947 wurde das Schulerziehungsgesetz erlassen, wonach die Schulpflicht für Jungen und Mädchen von sechs auf neun Jahre erhöht wurde.
Für die Frauen in der Arbeitswelt gab bzw. gibt es spezielle Gesetze. Im Arbeitsstandardgesetz aus dem Jahr 1947 gab es sogenannte Mutterschutzmaßnahmen. Diese beinhalteten, dass Mütter, aber auch allgemein Frauen ohne Kinder beispielsweise keine Überstunden und keine Nachtschichten verrichten durften. Die Mutterschutzmaßnahmen waren eigentlich zum Schutz der Mütter/Frauen ohne Kinder gedacht, wurden von den Arbeitgebern allerdings dazu benutzt, um Frauen von der Arbeitswelt und dem Karriere machen fern zu halten.
1986 wurde das Gesetz zur Gleichstellung von Mann und Frau im Beruf erlassen, nachdem man (endlich) erkannt hatte, dass Frauen in der japanischen Arbeitswelt sehr benachteiligt wurden, trotz der Verfassung. Mit diesem Gesetz sollten die Frauen in der Berufswelt gefördert werden und keiner Diskriminierung in selbiger mehr unterliegen; Frauen sollten am Arbeitsplatz gleich behandelt werden wie die Männer. Was dies allerdings für die Frauen bedeutete und welche Folgen dies hatte und immer noch hat, wird weiter unten, wenn die Situation der Frauen in der heutigen Arbeitswelt beschrieben wird, erklärt.
Hier sollen aber schon einmal zwei Nachteile des Gleichstellungsgesetzes aufgezeigt werden: Die Mutterschutzmaßnahmen aus dem Arbeitsstandardgesetz von 1947 wurden abgeschafft, der Mutterschutz ging auf Kosten der Gleichstellung zum Mann verloren. Außerdem gibt es für Arbeitgeber, die sich nicht an dieses Gesetz halten, keinerlei Sanktionen; solche sind nicht vorgesehen, womit sich das Gleichstellungsgesetz eher als 'Papiertiger' erweist.

3. Die Situation der Frauen Ende der 1940er bis 1950er Jahre

Hierzu muss zunächst gesagt werden, dass unterschieden werden muss zwischen Frauen, die in der Stadt in einer Firma beschäftigt waren und Frauen, die auf dem Land oder in familieneigenen Geschäften oder Betrieben arbeiteten.

3.1 Beschäftigung in einer Firma

Ungefähr nur ein Viertel aller weiblichen Arbeitnehmer waren zu dieser Zeit in Firmen und Fabriken angestellt, die zumeist in einer Stadt oder in der Peripherie einer Stadt lagen. Frauen mit Oberschulabschluss oder Abschluss einer Kurzuniversität - mit zwei Jahren Studiumszeit statt vier Jahren, was bei Frauen damals üblich war - konnten in der Verwaltung in wenig verantwortungsvollen Positionen eingesetzt werden. Sie waren die sogenannten 'Blumen am Arbeitsplatz', die Kunden begrüßten, ihren (männlichen) Kollegen Tee servierten, Telefonanrufe entgegennahmen, etc. Frauen mit Mittelschulabschluss fanden zumeist in der Produktionsstätte einer Firma eine Stelle. 55% dieser Arbeitnehmerinnen arbeiteten in Textilfabriken, ab Mitte der 50er Jahre vermehrt in den Firmen der aufblühenden Elektronikindustrie.
Weder für die 'Blumen am Arbeitsplatz', noch für die 'Fließbandarbeiterinnen' gab es großartige Chancen auf Beförderung, da von ihnen quasi erwartet wurde, dass sie nach ihrer Heirat oder spätestens nach der Geburt ihres Kindes mit der Arbeit aufhörten. Vor allem deswegen wurden sie nicht 'lebenslang' angestellt wie die Männer, wodurch sie auch nicht gewisse Vorteile, die damit verbunden waren, erhielten, wie beispielsweise firmeneigene Wohnungen, Kredite, Boni, Krankenversicherung, usw. Dies ist zum Teil auch heute noch der Fall.

3.2 Beschäftigung auf dem Land

Der Großteil der Frauen, nämlich über zwei Drittel, arbeiteten in der Landwirtschaft oder in kleinen Familienbetrieben und -geschäften ihrer Eltern oder Ehemänner, die damals noch in den Städten vorherrschend waren. In der Landwirtschaft mussten sie auf den Feldern mithelfen, in den Geschäften waren sie Verkäuferinnen und im Kleinbetrieb arbeiteten sie an der Herstellung eines Produktes.
Wie man sieht, waren hierbei Privatleben und Arbeitsplatz, sowohl für Frauen, als auch für Männer, eng miteinander verknüpft. Für die Frauen bedeutete dies, dass sie zwar am Familieneinkommen beteiligt waren, aber keinen eigenen Lohn erhielten.

3.3 Fazit

Frauen, die in einer Firma in der Stadt arbeiteten, wurden zumeist nicht ernst genommen, da sie in der Verwaltung größtenteils nur Hilfsdienste verrichteten wie die oben beschriebenen, während sie in den Produktionsstätten austauschbar waren. Dies wurde noch dadurch erhärtet, dass Frauen bei Heirat oder Geburt eines Kindes aus dem Beruf ausschieden, wodurch ihnen eine Karriere in der Firma beträchtlich erschwert wurde.
Ein wenig anders war die Lage für Frauen in der Landwirtschaft und in familieneigenen Betrieben. Auf der einen Seite waren sie unentbehrlich, weil sie den Betrieb mit am Laufen hielten, auf der anderen Seite aber waren sie billige Arbeits- und Hilfskräfte, die nicht extra entlohnt werden mussten und somit auch nicht unbedingt als 'richtige' Arbeitnehmerinnen galten.
Für beide Gruppen von Arbeiterinnen war vor allem der Platz im Haus vorgesehen, wo sie sich um Haushalt und Nachwuchs kümmern sollten, und nicht etwa hohe, wichtige Positionen in der Wirtschaft und Arbeitswelt, die praktisch nur den Männern vorbehalten war.

4. Situation der Frauen in der Gegenwart

In der heutigen Zeit ist es nun so, dass Frauen überwiegend in der Stadt arbeiten und nicht mehr so oft auf dem Land oder in kleinen Familienbetrieben. Darum wird in diesem Abschnitt vor allem auf die Arbeitnehmerinnen, die in großen, prestigeträchtigen Unternehmen, aber auch in kleinen und mittleren Betrieben tätig sind, eingegangen.

4.1 Arbeitnehmerinnen in einer großen Firma

Eine Folge des Gleichstellungsgesetzes von Mann und Frau im Beruf von 1986 ist, dass viele der großen Firmen oder 42% von ihnen Frauen mit Universitätsabschluss - mittlerweile auch mit Langzeitstudium von vier Jahren - zwei Karrieremöglichkeiten anbieten: Das sind der sogenannte 'allgemeine Weg' und der sogenannte 'integrierte Weg.'
Der allgemeine Weg bietet eine weniger fordernde Position etwa als Sekretärin oder Empfangsdame. Diese Arbeitnehmerinnen übernehmen Aufgaben wie Kopieren, Tee servieren, Tische sauber machen, Telefonanrufe entgegen nehmen, sich um Kunden kümmern, etc. Es gibt hierbei zwar Beförderung, jedoch findet diese langsamer statt und ist begrenzt; eine Frau, die sich für diesen Weg entscheidet, kann also nicht in einen hohen Managerposten aufsteigen. Allerdings muss sie auch keine Versetzungen in Filialen der Firma in einer anderen Stadt befürchten, die bei den meisten Arbeitnehmern - Männern und Frauen - nicht sonderlich beliebt sind, weil man normalerweise nicht mit der eigenen Familie umzieht und längere Zeit von ihr getrennt bleibt.
Der integrierte Weg bietet den Arbeitnehmerinnen eine Gleichbehandlung mit den Männern. Das bedeutet einerseits Aufstiegsmöglichkeiten und die Vorzüge, wie die Männer sie an ihrem Arbeitsplatz genießen. Andererseits beinhaltet dieser Weg aber auch viele Überstunden und Versetzungen, womit größere Anstrengungen erforderlich sind. Somit ist der integrierte Weg eher etwas für Frauen, die wirklich 'karrieresüchtig' sind und sich auch von den Nachteilen dieses Wegs nicht abschrecken lassen.
Für die großen Firmen haben sich beim integrierten Weg allerdings gewisse Probleme aufgezeigt: Normalerweise bilden diese Unternehmen ihre neuen Arbeitnehmer noch einmal speziell aus, was für sie eine Investition von Zeit und Geld bedeutet. Dementsprechend wird erwartet, dass der neue Angestellte möglichst lange der Firma die Treue hält. Dies ist vorwiegend bei Männern der Fall; bei Frauen hat sich allerdings herausgestellt, dass sie die Firma nach einigen Jahren wieder verlassen. Gründe dafür sind zum Beispiel auch heute noch zumindest die Geburt des ersten Kindes und schlechte Arbeitsbedingungen wie die oben erwähnten. Für die Unternehmen heißt das, dass sie in der Ausbildung der neuen weiblichen Angestellten Zeit und Geld verschwendet haben und sich wahrscheinlich deswegen auch der Großteil der anderen Firmen - egal, ob klein, mittel oder groß - davor scheuen, Frauen den integrierten Weg oder andere Aufstiegschancen im Beruf anzubieten.
Im Gegenzug dazu entscheidet sich auch nur eine Minderheit der Frauen für den integrierten Weg. Zum einen sind viele Frauen nicht bereit, die hohen Anforderungen, die hier verlangt werden, zu erfüllen - nicht etwa aus Bequemlichkeit, sondern weil sie diese für schlichtweg unmenschlich halten. Einigen wiederum ist es wichtiger, irgendeine Arbeit in einem weltbekannten Unternehmen zu bekommen, als dort eine Karriere wie die der Männer zu machen oder wie diese gleich behandelt zu werden. Und so finden sich im Durchschnitt auch nur acht Frauen in höheren Posten (Sektionsleiterin und darüber) in diesen Firmen.

4.2 Arbeitnehmerinnen in kleineren und mittleren Firmen

Ein Großteil der japanischen Firmen - circa 90% - haben weniger als 300 Arbeitnehmer und zählen daher zu den kleineren und mittleren Unternehmen. Und da den Frauen in den großen Firmen immer noch Hindernisse auf der Karriereleiter begegnen, haben sie in diesen Betrieben mehr Chancen auf Beförderung. Hier wird nämlich mehr nach Leistung ausgeschaut als nach Geschlecht. Außerdem können diese Firmen auch flexibler auf individuelle Nöte eingehen, man kann zum Beispiel früher am Tag den Arbeitsplatz verlassen, wenn das Kind gerade krank ist. Dementsprechend finden sich eben hier zwischen ungefähr sieben bis 12% (der Prozentsatz hängt von der Arbeitnehmerzahl des Betriebs ab) in höheren Positionen (Abteilungsleiterin und darüber), was weitaus mehr ist als in den großen Betrieben.

4.3 Arbeitnehmerinnen in ausländischen Firmen

Eine Besonderheit bilden die ausländischen Unternehmen in Japan. Diese bieten, ähnlich den kleineren und mittleren japanischen Betrieben, Frauen mehr Möglichkeiten zum Karriereaufstieg. Auch hier wird nicht so sehr auf das Geschlecht geachtet, sondern eher darauf, was für Fähigkeiten die Bewerber und Bewerberinnen nach ihrem Schul- oder Universitätsabschluss mit sich bringen. Es ist also nicht unnormal, hier eine Frau in einem hohen Managerposten zu finden, obwohl es für die meisten Japaner beiden Geschlechts prestigereicher ist, in einer japanischen Firma zu arbeiten und hier eventuell aufzusteigen. Wie bereits oben beschrieben, sind die Beförderungsmöglichkeiten für Frauen dort eher begrenzt, so dass sie auch weniger Probleme damit haben, in einem ausländischen Betrieb tätig zu sein und Karriere zu machen.

4.4 Wiedereinstieg in den Beruf

Der Hauptgrund, weshalb Frauen in Japan ihren Arbeitsplatz nach einigen Jahren verlassen, ist die Geburt eines Kindes; es wird allgemein erwartet, dass sich die Frauen dann eine Zeit lang um den Nachwuchs kümmern. Und vielleicht kommen dann noch ein oder zwei weitere Kinder hinterher, sodass sie Frauen erst wieder in die Arbeitswelt zurückkehren, wenn ihr jüngstes Kind aus dem Gröbsten raus gewachsen ist. Dies erklärt das Schaubild der sogenannten M-Kurve, welches aufzeigt, dass im Alter von 20 Jahren die meisten Frauen, circa 75%, arbeiten - der erste Hochpunkt des Schaubilds - , dass im Alter von 30 Jahren weniger Frauen arbeiten, nämlich ungefähr 60% - der Tiefpunkt des Schaubilds - , und dass im Alter von 45-50 Jahren wieder mehr Frauen arbeiten, erneut circa 75% - der zweite Hochpunkt des Schaubilds. Daraus ergibt sich eine, wie der Buchstabe M geformte Kurve.
Aus der Tatsache, dass die Frauen eine Erziehungspause machen, ergibt sich nun Folgendes: Die meisten von ihnen kehren nicht mehr an ihren früheren Arbeitsplatz zurück, sondern nehmen eine Teilzeitbeschäftigung an; 72% der Teilzeitarbeiter sind Frauen. Dies hat zum einen damit zu tun, dass es in Japan eine Altersbegrenzung bei der Einstellung von Vollzeitbeschäftigten gibt, die größtenteils bei Mitte 20 liegt. Viele Frauen fangen erst ab dem 40. Lebensjahr erneut an, berufstätig zu werden. Das Arbeitsmaßnahmengesetz verbietet zwar diese Altersdiskriminierung, doch es gibt keine Strafen für Arbeitgeber, die sich nicht daran halten. Zum anderen hat es auch damit zu tun, dass die Frauen sich nebenher noch um den Haushalt kümmern wollen beziehungsweise sollen. In Japan wurde 1979 die Wohlfahrtsgesellschaft von der Regierung proklamiert, was bedeutet, dass sich die Menschen in der Gesellschaft um einander kümmern, im Gegensatz zum Wohlfahrtsstaat wie in Deutschland, in dem sich vor allem der Staat um die Menschen kümmert. Es bedeutet allerdings auch, dass sich überwiegend die Frauen kümmern müssen, zum Beispiel um alte pflegedürftige Eltern und/oder Schwiegereltern. Verheiratete Frauen sind zudem nicht dafür vorgesehen, das Haupteinkommen in der Familie zu verdienen, sondern der Ehemann; das Gehalt der Frau soll lediglich das Familienbudget unterstützen, um beispielsweise die Studiengebühren der Kinder zu bezahlen, größere Anschaffungen für das Haus zu besorgen, etc. Arbeitgeber nutzen dies aus, um immer mehr Vollzeitbeschäftigte – überwiegend weibliche – durch Teilzeitbeschäftigte zu ersetzen und so Lohnkosten zu sparen: Teilzeitbeschäftigte machen die gleichen Aufgaben und arbeiten gleich viele Stunden, genießen aber nicht die gleichen Vorzüge wie zum Beispiel eine Beförderung bei Vollzeitarbeit.

4.5 Fazit

Von den Frauen wird erwartet, dass sie den Haushalt führen und Kinder großziehen. Allerdings ist es vorteilhaft für sie, einen Universitätsabschluss zu machen, weil sie dann größere Chancen auf dem 'Heiratsmarkt' haben. Außerdem sollen sie wenigstens bis zur Geburt ihres ersten Kindes einem Beruf nachgehen. Da es jedoch für Frauen so schwierig ist, Karriere und Familie in Einklang zu bringen, heiraten sie immer später oder überhaupt nicht. Und Frauen, die nach dem Erziehungsurlaub wieder in die Arbeitswelt zurückkehren, werden oftmals von Wirtschaft und Regierung regelrecht - trotz aller Gleichberechtigungsgesetze - in Teilzeitarbeit 'gedrängt', weil sie einerseits als Heer von billigen Arbeitskräften angesehen werden, andererseits weil sie die Hauptstütze der Wohlfahrtsgesellschaft bilden oder auch bilden sollen. Die Frauen werden also auf vielfältige Weise mehr oder weniger vom hauptsächlichen Arbeitsmarkt verdrängt, was somit wieder mehr den Männern zugute kommt.

5. Schluss

Nachdem nun die Situation der Frauen in der japanischen Arbeitswelt in den 1940er/50er Jahren mit der gegenwärtigen Situation verglichen wurde, stellt man fest, dass sich für die Frauen nur unwesentlich etwas verändert hat. Während man in den 40er und 50er Jahren Frauen vornehmlich dazu erzogen hatte, möglichst früh zu heiraten und eine Familie zu gründen und sie dadurch auch mehr auf ihre Rolle als Hausfrau und Mutter vorbereitet wurden, wird in der heutigen Zeit noch zusätzlich dazu erwartet, eine gute Ausbildung zu machen - vor allem einen Universitätsabschluss - und einem Beruf nachzugehen. Frauen sollen also auf der einen Seite gute Arbeitskräfte in der Arbeitswelt sein und auf der anderen Seite - spätestens nach der Geburt eines Kindes - gute Hausfrauen und Mütter; danach folgt dann vielleicht noch die Pflege der Eltern beziehungsweise Schwiegereltern.
Wie man sieht, ist für die meisten Frauen in der Arbeitswelt kein Platz in den höheren Positionen der Unternehmen vorgesehen, sondern vorrangig der Platz zu Hause. Japanische Frauen sollen, müssen aber nicht - außer bei bestimmten finanziellen Umständen - arbeiten. Der Status der Frauen definiert sich auch heute noch überwiegend über den (Ehe-)Mann, nicht über ihre Positionen im Beruf: Hausfrauen genießen ein hohes Ansehen in der japanischen Gesellschaft, denn eine Vollzeit-Hausfrau bedeutet, dass der Ehemann einen hohen Posten in einer Firma innehat und dadurch ein so hohes Gehalt bezieht, dass die Ehefrau nicht arbeiten gehen muss. Eine Gattin, die sich voll und ganz ihren Aufgaben im Haushalt widmen kann, erhöht folglich noch den Status des Gatten und dient somit sogar als Statussymbol desselben. Daher gibt es in Japan weniger als 30% Vollzeit-Hausfrauen; viele Frauen arbeiten ja noch als Teilzeitkräfte. Frauen werden zunächst einmal als Ehefrauen und Mütter angesehen, die durch Arbeit nicht von ihren quasi natürlichen Aufgaben im Haushalt gestört werden sollen. Deswegen wird von vielen Seiten propagiert, dass Teilzeitarbeit die ideale Form der Arbeit für verheiratete Frauen sei, damit diese Beruf und häusliche Pflichten unter einen Hut bringen können. Für unverheiratete oder allein erziehende Frauen reicht das in der Teilzeitbeschäftigung verdiente Geld außerdem nicht aus, um davon zu leben. Dass auch Männer für ihren Haushalt verantwortlich sein können oder sollen wie die Frauen, wird kaum in Betracht gezogen. Und Frauen, die sich in Japan beruflich selbstständig machen, werden erst allmählich akzeptiert.
Dies alles klingt wie eine sehr harsche Kritik, dennoch muss man beschwichtigend dazu mitteilen, dass dieses Denken schon seit Generationen in den Köpfen vieler Japaner ist; man ist meistens so erzogen worden und ist daran gewöhnt, so dass sich die Dinge erst langsam verändern. Die fast schon 'natürliche' Verbindung zwischen Frauen und Haushalt/Familie in Japan - mal abgesehen von der naturgemäßen Tatsache, dass Frauen eben biologisch in der Lage sind, Kinder zu gebären - bringt allerdings sogar einige Vorteile für die Frauen mit sich: In der Familie spielen sie meist die vorherrschende Rolle und kontrollieren beispielsweise so das Haushaltsbudget oder sind verantwortlich für den Erfolg der Kinder in der Schule. Und während die Männer lange arbeiten müssen und oft kaum Freizeit haben, erlangen die Frauen - ohne Verpflichtungen durch einen Beruf - zu Hause und durch die Kontrolle des Familienbudgets mehr Freiheit und Freizeit; die Männer sind zwar fast überall im Vorteil und scheinen mehr Chancen zu haben, aus ihrem Leben etwas zu machen, doch sie sind teilweise so stark in ihren Beruf eingespannt, dass sie nicht die gleichen Möglichkeiten haben, sich zu entfalten wie die Frauen. Berufstätige Frauen hingegen sind flexibler: Dadurch, dass sie nicht zum Hauptteil der Arbeitskräfte gehören - der Hauptteil sind die Männer - , können sie ihren Arbeitsplatz einfacher wechseln oder ganz aufgeben, wenn er ihnen nicht mehr gefällt, als die männlichen Arbeitnehmer, die meistens sozusagen loyal zum Unternehmen sein müssen. Dies erinnert ein wenig an eine alte asiatische Redensart, die besagt, dass Männer eckig und darum standhaft sind, während Frauen rund sind und überall hin rollen (können).
Die Lebensweise der Männer und Frauen beinhaltet aber ebenso einen großen Nachteil, auch wenn dieser nicht von allen Japanern so gesehen wird. Es ist nämlich so, dass sich die Alltagswelt zwischen den Geschlechtern sehr stark unterscheidet. Frauen haben größtenteils nur weibliche Freunde, Männer pflegen eher unter Männern Freundschaften (gemeint sind bei beiden Geschlechtern platonische Freundschaften); platonische Freundschaften zwischen Männern und Frauen, wie man sie im Westen (USA, Europa) kennt, sind in Japan teilweise noch recht ungewöhnlich. Oftmals haben in einer Ehe Ehemann und Ehefrau im alltäglichen Leben wenig miteinander zu tun, da der Ehemann lange Arbeitszeiten haben kann, möglicherweise lange pendeln muss oder nach der Arbeit mit Kollegen ausgeht.
Und hier beginnt eine gewisse, stetige Veränderung. Immer mehr Männer wünschen sich mehr Zeit mit der Familie. Deswegen ist ein Ziel der japanischen Feministen und Feministinnen ein humaneres Arbeitsleben auch für die Männer, was ebenso eine Verkürzung der Arbeitsstunden bedeuten würde. Frauen sind ja, wie bereits oben erwähnt, nicht bereit, die Arbeitsbedingungen der Männer zu akzeptieren. Außerdem sind vor allem die jungen Japanerinnen nicht mehr gewillt, hauptverantwortlich zu sein für Haushaltsführung und Kindererziehung und fordern mehr Einbeziehung der Männer in diese Bereiche.
Was die Karrierechancen der japanischen Frauen im Berufsleben betrifft, so muss erwähnt werden, dass circa 2/3 der Arbeitnehmerinnen überwiegend im Dienstleistungsbereich tätig sind, welcher in Zukunft immer wichtiger wird. Hinzu kommt noch die Alterung der japanischen Gesellschaft, die Firmen regelrecht dazu zwingt, mehr auf Frauen zu setzen. Viele Manager und Vorgesetzte finden die Ideen der weiblichen Angestellten oder auch der Frauen in den gleichen Positionen in ihrem Betrieb sehr interessant, da diese ihre Meinung freier äußern - wegen der Möglichkeit, einfacher den momentanen Arbeitsplatz zu verlassen - , als ihre männlichen Kollegen, und durch diese Ideen neuer Schwung ins Unternehmen bringen.


Literaturverzeichnis (Publikationen in deutscher und englischer Sprache)

Broadbent, Kaye: Women’s Employment in Japan – The experience of part-time workers. London: RoutledgeCurzon 2003.

Faulenbach, Jürgen (Hrsg.): Japan. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 1997 (Informationen zur politischen Bildung, Nr. 255).
 Nur noch im Internet zu finden unter: http://www.bpb.de/publikationen/02935013376057953096791407894375,0,Japan.html

Gordon, Andrew: A modern History of Japan – From Tokugawa times to the Present. New York, Oxford: Oxford University Press 2003, S. 226-269, S. 310-332.

Gössmann, Elisabeth (Hrsg.): Japan – Ein Land der Frauen? München: Iudicium-Verlag 1991.

Henderson, Dan Fenno (Hrsg.): The Constitution of Japan – Its First Twenty Years, 1947-67. London, Seattle: University of Washington Press 1968, S. 303-306.

Iwao, Sumiko: The Japanese Woman – Traditional image and changing reality. New York: The Free Press 1993.

McClain, James L.: Japan – A modern History. New York, London: W. W. Norton & Company, Inc. 2002, S. 523-561, S. 599-632.

Phillipps, Susanne: Schnellkurs Japan. Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2004.

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